Bewegung und Brustkrebs

Wie entsteht Brustkrebs?

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. An keiner anderen Krebsart sterben mehr Frauen. Alleine in Deutschland gab es im Jahr 2010 über 71.000 Neuerkrankungen. Jede achte Frau muss im Laufe ihres Lebens damit rechnen, an diesem Tumor zu erkranken. Dabei sinkt das Alter der betroffenen Frauen. Dennoch sind es weiterhin Frauen im Alter zwischen 55 und 60 Jahren, die besonders gefährdet sind.

Ausgehend von den Brustdrüsen, die stärker anfällig für eine solche Tumorbildung sind, breitet sich der Brustkrebs aus. Risikofaktoren sind eine Mischung aus Lebensstil, Umweltfaktoren, Hormonen oder schlichtweg Vererbung sowie dem Alterungsprozess. Die Vererbung spielt eine tragende Rolle beim Brustkrebs.

Die familiäre Belastung ist besonders gegeben, wenn wichtige Reparatur-Gene, sogenannte Tumorsuppressorgene wie BRCA1 oder BRCA2 nicht vererbt wurden. Diese Gene haben die Funktion, Schädigungen an Genen zu beheben und so Tumore zu unterdrücken.

Eine wichtige Rolle spielen auch Hormone wie Östrogen. Frauen, die über viele Jahre die Antibabypille einnehmen erhöhen somit ihr Krebs-Risiko beträchtlich. Ebenso steigt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, durch eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren. Bei einer Studie der Women’s Health Initiative aus dem Jahr 2002 zeigte sich, dass sich durch die Einnahme von Ersatzhormonen das Risiko für Brustkrebs um ganze 30 Prozent erhöhte.

Inzwischen wurden bereits mehrere Risikofaktoren für Brustkrebs entdeckt. Manche, wie zum Beispiel eine frühe erste Regelblutung oder spät einsetzende Wechseljahre, das Alter oder genetische, vererbte Faktoren, lassen sich nicht beeinflussen. Viele andere Faktoren wie Verhütung mittels Antibabypille, Einnahme von Hormonpräparaten in der Menopause, eine kurze Stillzeit, zu wenig körperliche Fitness und Übergewicht, Rauchen und Alkoholkonsum hat man jedoch in der Hand. Diese Faktoren kann man selbst verändern, auch wenn es dazu eine gewisse Disziplin benötigt.

Das Risiko kann also auch aktiv gesenkt werden. So zeigt sich, dass sich häufige Schwangerschaften sowie lange Stillzeiten günstig auswirken. Das dürfte auf eine, in diesen Zeiten vorteilhafte Hormon-Konstellation zurückzuführen sein. Dass es gesundheitlich günstig ist, mit dem Rauchen aufzuhören bzw. erst gar nicht damit anzufangen, muss wohl nicht erwähnt werden. Auch körperliche Betätigung und Fitness wirken sich in vielerlei Hinsicht positiv aus.

Gibt es Zusammenhänge zwischen Brustkrebs und Ernährung?

Auch die generelle Lebensweise ist ein wesentlicher Faktor. Besonders anschaulich zeigt sich dies am Beispiel von, in den 20er bis 40er Jahren in die USA ausgewanderten Japanerinnen. Die traditionelle Lebensweise wurde zwar Großteils beibehalten, doch bereits in den ersten zehn Jahren passte sich die Ernährung an. Japanerinnen, die nun in den USA sesshaft waren, verzehrten um das 1,3-fach kalorienreichere, und um das 1,9-fach fettreichere amerikanische Lebensmittel. Die Häufigkeit der körperlichen Betätigung nahm ab und der Alkoholkonsum nahm zu.

Zehn Jahre nach der Einwanderung gab es nicht nur verstärkt Fälle von Übergewicht und eine Abnahme an körperlicher Fitness unter den Einwanderinnen. Auch das Brustkrebs-Risiko der Japanerinnen stieg im neuen Heimatland USA deutlich an. Der neue Lebensstil mit geringerer Bewegung, neuen Umweltgiften und veränderten Lebensmitteln ist somit auch ein starker Faktor in Hinsicht auf das Brustkrebs-Risiko.

Was tun, wenn Brustkrebs diagnostiziert wird?

Die Heilungs-Chancen liegen höher, je eher der Brustkrebs entdeckt wird. Frauen ab dem 20. Lebensjahr wird daher nahegelegt, regelmäßig einen Frauenarzt zur jährlichen Vorsorgeuntersuchung aufzusuchen. Dieser wird auch erklären, wie die möglichst häufig vorzunehmende Selbstuntersuchung der Brust durchgeführt werden sollte.

Entdeckt man bei der Eigenuntersuchung schmerzlose Knoten, die sich nicht verschieben lassen in der Brust, Einziehungen der Brustwarze oder auch Entzündungen sowie Absonderungen an der Brustwarze, könnte es sich um ein Merkmal von Brustkrebs handeln. Auch Veränderungen der Größe der Brust oder Hautveränderungen wie Schuppung, Entzündung oder Rötung können Hinweise sein. Zuletzt sind auch Schwellungen in der Achselhöhle mögliche Merkmale.

Um Frühstadien des Brustkrebses bei der Risikogruppe der 50- bis 70-jährigen Frauen zu erkennen, empfiehlt sich eine Röntgenuntersuchung. Diese sogenannte Mammographie sollte jedes zweite Jahr vorgenommen werden.

Welche Brustkrebs-Therapien gibt es?

Der Kampf gegen den Krebs geschieht durch eine Operation. Dabei wird das erkrankte Drüsen-Gewebe aus der Brust entfernt. Zusätzlich werden auch angrenzende Lymphknoten, welche meist in der Achselhöhle angesiedelt sind, entnommen. Je nach Stadium des Tumors wird die Therapie durch Bestrahlung, Chemotherapie, Antikörper-Therapie sowie Anti-Hormon-Therapie komplementiert.

Besonders Chemotherapie und Antikörper-Therapie besitzen eine Vielzahl an Nebenwirkungen. Herzfunktion und Nerven werden beeinträchtigt, der Magen-Darm-Trakt wird stark angegriffen, der gesamte Körper wird in Mitleidenschaft gezogen.

Die Folgen der Operation ebenso wie die unzähligen Nebenwirkungen der Begleittherapien haben auch Auswirkungen auf eine Sporttherapie. Operationsnarben beeinträchtigen die Bewegungen, der Abfluss die Lymphbahnen ist durch die entfernten Lymphknoten eingeschränkt und ein geschwollener Unterarm bzw. Handrücken durch einen Lymphstau (Lymphödem) kann die Folge einer Bestrahlungstherapie sein. Um den Abfluss zu fördern, sind Stützstrümpfe zu empfehlen. Die körperlichen Einschränkungen müssen bei einer Sporttherapie entsprechend beachtet werden.

Welche Auswirkungen hat Sport auf Brustkrebs?

Bei Brustkrebs wirken sich regelmäßige, häufige Bewegung sowie optimales Körpergewicht günstig auf den Krankheitsverlauf aus. Die Prognose verschlechtert sich bereits durch eine Gewichtszunahme von nur wenigen Kilo deutlich. Das Halten des Gewichts und der Aufbau von Muskelmasse hingegen sorgen für eine merkbar positivere Prognose. Nur durch diszipliniertes Fitnesstraining kann diese Entwicklung gewährleistet werden.

Auch noch zehn Jahre später, so zeigen Studien, ist die Überlebensrate körperlich fitter Brustkrebs-Patientinnen weit höher. Die Studien zeigen, dass zumindest zwei bis drei Stunden Walken pro Woche nötig sind, um das gewünschte Ergebnis zu liefern.

2015 wurde im Journal of Clinical Oncology eine Studie aus den Niederlanden veröffentlicht, deren Ergebnisse eindeutig waren. Die Studie zeigte, dass sportliche Betätigung sich überaus positiv begleitend zur Chemotherapie auswirkte. In der ersten Testgruppe gab es kein Trainingsprogramm. In der zweiten Testgruppe mussten die Patientinnen 30 Minuten pro Tag körperlich aktiv sein, egal in welcher Weise. Die dritte Gruppe führte unter Aufsicht eines Physiotherapeuten zweimal in der Woche aerobe Übungen sowie Muskulatur-Krafttraining durch. Die Teilnehmerinnen der beiden Trainings-Gruppen litten deutlich seltener unter Chemotherapie-bedingter Müdigkeit, Schmerzen oder Übelkeit. Dosisanpassungen der Chemotherapie waren nur selten nötig. Der stärkste Effekt zeigte sich bei Testgruppe 3.

Eine kanadische Studie zeigte zudem, dass das Training während der Chemotherapie auch später die Prognose der Patientinnen positiv beeinflusst. 85 Prozent der Chemotherapien konnten ohne Unterbrechung, wie geplant durchgeführt werden. 83 Prozent der Patientinnen, die während der Chemo trainierten überlebten im Untersuchungs-Zeitraum der folgenden acht Jahren nach der Erstdiagnose. In der Kontrollgruppe ohne Training während der Chemo-Therapie überlebten lediglich 76 Prozent der Patientinnen im selben Zeitraum. Besonders positive Effekte zeigten sich bei übergewichtigen Patientinnen, Frauen im Tumorstadium II und III und Patientinnen, die eine Chemotherapie aus Taxanen (Eiben-Rindenextrakten) erhielten.

Diese Studien zeigen klar und deutlich, weshalb eine Chemotherapie immer durch ein unterstützendes Training begleitet werden sollte. Die verabreichten Substanzen können sich besser im Körper verteilen, die Symptome der Nebenwirkungen werden besonders in der Zeit zwischen den Chemotherapien deutlich gemildert und Schmerzsymptome treten seltener auf. Das hat auch positive psychische Folgen. Depressionen, Antriebslosigkeit und Schlafstörungen, die üblicherweise während einer Chemotherapie begünstigt werden, treten merkbar seltener auf, wenn es ein begleitendes körperliches Trainingsprogramm gibt.

Das körperliche Training, das die Chemotherapie begleitet, muss immer auf die Patientin und ihren Therapieplan abgestimmt werden. Am Tag der Chemotherapie sowie am darauffolgenden Tag wird zumeist nur ein eingeschränktes Training möglich sein. Einige Frauen sind nach einer Chemo nicht zu Training in der Lage, andere Patientinnen hingegen berichten von den positiven Auswirkungen leichten Trainings am Nachmittag nach einer Chemotherapie.

Gerade bei Chemo-Therapien mit Substanzen die den Herzmuskel schädigen können wie Doxorubicin, wird von Ärzten eher von körperlichem Training abgeraten. Diese Vorsicht ist zum Teil sicher berechtigt. Dennoch gibt es bereits Studien mit Tieren, die auch in diesem Fall positive Effekte zeigen. Hautkrebs sprach besser auf diese Form der Chemotherapie an, wenn es zusätzlich regelmäßige körperliche Betätigung gab. Auch die negative Auswirkung auf Gehirnfunktion und Herzmuskel schien abgemildert. Körperliches Training dürfte somit negative Auswirkungen von Chemotherapien hemmen.

Bei Chemotherapien mit Immunsuppressiva oder Hormonhemmern ist körperliches Training ohne Bedenken möglich. Fitnesstraining, egal ob begleitend zu einer Chemotherapie, oder einfach um sich gesundheitlich und seelisch in Form zu bringen ist immer zu empfehlen.