Bewegung und Darmkrebs

Wie entsteht Darmkrebs?

Darmkrebs entwickelt sich aus den oftmals gutartigen Polypen bzw. Adenomen. Adenome sind aus Drüsengewebe entstandene, gutartige Geschwulste, die röhrenförmig, zottenförmig oder auch in einer Mischform auftreten. Polypen sind aus Schleimhautgewebe gebildete, aufsitzende, gutartige Geschwulste. Sie können in allen Hohlorganen des menschlichen Körpers auftreten. So auch in Magen, Blase und Darm.
Verschiedene genetische Mutationen führen dazu, dass sich aus einem Darmpolypen, also einer gutartigen Geschwulst, ein Karzinom bildet. Es sind jene Gene betroffen die für die Reparaturen der DNA sowie der Regulation des Zellwachstums verantwortlich sind. Zunächst werden die bösartigen Zellen im Wachstum durch den Darmpolypen beschränkt. In der Zeit, in der ein Darmpolyp die Entwicklung von der gutartigen Geschwulst zum Karzinom abschließt, absolviert er verschiedene gutartige Vorstadien, bevor die bösartig entarteten Zellen in die Darmwand eindringen.

Je größer die gutartige Geschwulst aus Schleimhautgewebe ist, umso höher ist das Risiko der Entartung und der Entstehung von Darmkrebs. Durch Darmspiegelungen bei der Darmkrebsvorsorge sind Ärzte in der Lage, zu einem sehr frühen Zeitpunkt diverse Veränderungen an der Darmschleimhaut zu erkennen und Darmpolypen im Anfangsstadium erfolgreich zu entfernen.
Darmkrebs zählt zu den am häufigsten diagnostizierten Krebserkrankungen der Industrieländer. Krebserkrankungen des Dickdarmes und Enddarmes stellen in Deutschland die zweithäufigste tumorbedingte Todesursache dar. Jährlich erkranken in Deutschland 70.000 Menschen an Darmkrebs.
Leider sind die ersten Warnzeichen für eine Krebserkrankung des Darms wenig typisch. Betroffene zeigen Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen, dunklen bis von alten Blutresten schwarz gefärbten Stuhl, abwechselnd harter bis weicher Stuhlgang, vermehrter Stuhldrang oder Verstopfungen sowie frisches Blut im Stuhl. Rauchen, Bewegungsmangel, falsche Ernährung und ein allgemein ungesunder Lebenswandel, aber auch eine genetische Vorbelastung sind die häufigsten Risikofaktoren.

Ist Darmkrebs vererbbar?

Diese Frage muss man leider mit „Ja“ beantworten. Krebs ist in erster Linie eine Erkrankung des Alters. Liegt jedoch eine genetische Prädisposition vor, können Krebserkrankungen schon in jungen Jahren auftreten. Zeigen sich in einer Familie generationsübergreifend mehrere Fälle von Darm- oder Brustkrebs, vor allem in schon jungen Jahren, ist das Risiko für Angehörige, an einem erblich bedingten Tumor zu erkranken, hoch.
Darmkrebs entsteht meist aus gutartigen Tumoren. Diese werden auch Polypen oder Adenome genannt. Solche Polypen entstehen an der Darmschleimhaut. Menschen mit familiärer Veranlagung sollten zur Vorsorge regelmäßig eine Darmspiegelung durchführen lassen. Schon vor dem 45. Lebensjahr ist angeraten, eine regelmäßige Stuhluntersuchung auf Blut vornehmen zu lassen. So können entartete Polypen möglichst früh diagnostiziert und entsprechend zu behandelt werden.

Welche Risikofaktoren begünstigen die Entstehung von Darmkrebs?

Als Darmkrebsfördernd gelten folgende Faktoren:
Genetische Prädisposition
Die erblich bedingte Anlage für das Erkranken an Darmkrebs in jungen Jahren – als Kind oder als Jugendlicher – wenn es generationsübergreifend Fälle von Darmkrebs in der Familie gibt.
Rauchen & Alkohol
Rauchen und erhöhter Alkoholkonsum begünstigen das Entstehen bösartiger Gewebe-Neubildungen im Darm. Ihre zellschädigende Wirkung auf den Darm ist hinlänglich bekannt.
Mangelnde Bewegung & Übergewicht
Mangelnde Bewegung durch überwiegend sitzende Tätigkeiten, kein Sport sowie starkes Übergewicht (Adipositas Grad I) erhöhen das Erkrankungsrisiko immens.
Ernährung
Die Ernährung hat einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf unsere Gesundheit. Ballaststoffarme Kost, einseitige Ernährung oder die zu hohe Zufuhr an tierischem Eiweiß und Fett wirken sich auf die Darmgesundheit ebenso negativ aus wie übermäßiger Konsum von rotem oder stark verarbeitetem Fleisch. Dazu zählen gepökeltes Fleisch und Wurstwaren, geräuchertes Fleisch und Grillgut.

Kann Darmkrebs früh diagnostiziert werden?

Es gibt verschiedene Methoden zur Früherkennung und somit zur Prävention von Darmkrebs. Dazu zählen der immunologische Stuhltest, das direkte Testen auf Blut im Stuhl und die Darmspiegelung.
Der immunologische Stuhltest reagiert nur auf menschliches Hämoglobin. Er reagiert schon auf kleinste Mengen an Blut, die für das menschliche Auge nicht sichtbar sind. Der Test der von Patienten selbst mittels Testbriefchen durchgeführt wird ist ungenauer. Die vom Patienten genommen Proben können ein falsch positives Ergebnis liefern, da der Test hier auch auf tierisches Hämoglobin oder auf pflanzliche Stoffe in der Nahrung reagieren kann.
Die Darmspiegelung, auch Koloskopie genannt, ist eine Untersuchung des Dickdarms mittels Endoskop. Das für die Darmspiegelung verwendete Endoskop ist ein beweglicher, flexibler und dünner Schlauch, der mit Hilfe einer Kamera und Licht den Ärzten ermöglicht, die inneren Organe gründlich zu untersuchen. Das Endoskop bietet auch die Möglichkeit zur Einführung verschiedener chirurgischer Instrumente, falls eine Biopsie, also die Entnahme einer Gewebeprobe oder das Entfernen von Polypen, notwendig ist. Die Koloskopie ist somit die beste Maßnahme zur Früherkennung. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen ab dem 55. Lebensjahr die Kosten für eine solche Untersuchung.

Wie wird Darmkrebs behandelt?

Für Darmkrebspatienten stehen verschiedene Verfahren der Behandlung zur Verfügung. Welche Therapie für den einzelnen Krebspatienten die erfolgversprechendste ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zur Wahl stehen neben Operation, Bestrahlung und Chemotherapie auch medikamentöse Behandlungen. Bei allen Therapien muss zuvor die Lage und Größe des Tumors berücksichtigt werden.
Die bevorzugte Behandlungsmethode, wenn der Krebs bereits in die Darmwand vorgedrungen ist, ist die komplette operative Entfernung. Das betroffene Darmstück, die regionalen Lymphknoten so diese befallen wurden, sowie das umliegende Gewebe werden hierbei entnommen.
Um die frisch operierten und zusammengenähten Darmstücke zu schonen, ist es oft notwendig, vorübergehend einen künstlichen Darmausgang anzulegen. Sitzen Tumore des Enddarmes tief im Becken oder ist der Schließmuskel ebenfalls befallen, ist ein künstlicher Darmausgang auf Dauer leider oftmals unumgänglich. Zusätzlich zur Operation kann bei manchen Tumoren eine begleitende Chemotherapie oder Bestrahlung von Nöten sein.

Ist Nachsorge sinnvoll?

Darmkrebspatienten stehen nach der ersten Therapie verschiedene ergänzende Behandlungen zur Verfügung wie zum Beispiel stationäre oder ambulante Rehabilitationsmaßnahmen. Von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit ist ein Aufbautraining, um dem körperlichen Abbau während der Rehabilitation entgegen zu wirken. Sportliche Aktivitäten fördern nicht nur den Heilungsprozess, sondern erleichtern Darmkrebspatienten die Rückkehr in den Alltag.
Egal ob Joggen, Nordic Walken, Radfahren oder Spazieren gehen, jede angemessene körperliche Bewegung hilft beim Kampf gegen den Krebs und trägt zur Vorbeugung bei. Auch deshalb sollte nach der Rehabilitation regelmäßig weiter trainiert werden. Nach der Reha beginnt die Phase der Nachsorgeuntersuchungen. Diese erstreckt sich über Jahre um einen Rückfall frühzeitig zu erkennen oder eventuelle Spätfolgen bestmöglich zu behandeln.

Was sagen Studien zum Thema Sport und Darmkrebs?

Großangelegte Studien aus Australien und Amerika belegen, dass sich körperliches Training positiv auf schon bestehende Krebserkrankungen auswirkt. Sportlich aktive Darmkrebs-Patienten, auch im höheren Alter, sowie Krebspatienten mit regional erkrankten Lymphknoten, profitieren von einem wohl dosierten Training.
In den Studien „Health Professionals Follow-up Study“ und „Nurses’ Health Study“ zeigte sich ein augenfälliger Zusammenhang zwischen Bewegung und Gesundheit. Die weltweit wohl bedeutendste Gesundheitslängsschnittstudie ist die „Nurses’ Health Study“, die bereits mehr als 40 Jahre andauert. Es handelt sich um eine amerikanische Längsschnittstudie, die seit Jahrzehnten wichtige Erkenntnisse über Ernährung und Krebsrisiken bei Frauen liefert. Alle zwei Jahre werden seit 1976 Befragungen und klinische Untersuchungen von zigtausenden Krankenschwestern durchgeführt.

Die unfassbare Größe der Teilnehmeranzahl und ihre lange Laufzeit bringen interessante Aspekte ans Licht. So brachte die Studie beispielsweise die Erkenntnis, dass Patientinnen, die mehr als dreieinhalb Stunden pro Woche einen Spaziergang mit raschem Tempo absolvieren, deutlich bessere Überlebenschancen genießen. Eine sogar 50 Prozent geringere Sterbe-Wahrscheinlichkeit genießen Darmkrebs-Patientinnen, die pro Woche 5-6 Stunden mit raschem Tempo Spazieren gehen oder wöchentlich etwa drei Stunden Joggen. Die geringere Sterblichkeit unter den Patientinnen ist dabei unabhängig von Alter und Stadium des Tumors. Auch Patientinnen mit schlechteren Prognosen profitieren von den positiven Auswirkungen körperlichen Trainings.

Welche Vorteile haben Sportler?

Wenn körperliches Training einen solch positiven Effekt auf Patienten mit Darmkrebs hat, dann müssten Sportler doch ideal gewappnet sein. Dem ist offenbar nicht so. Sportler haben nach derzeitigem Erkenntnisstand keinerlei Vorteil.
Es ist völlig unerheblich, ob der Patient vor der Darmkrebserkrankung unsportlich oder sportlich war. Es zählt alleine das Ausmaß und die Kontinuität der körperlichen Aktivität nachdem die Diagnose Krebs erfolgt ist. Durch Sport verbessern Patienten ihre Muskulatur und Ausdauer. Nicht nur während der Therapie ist das förderlich. Auch in der Rehabilitationsphase ist es für Krebspatienten hilfreich, durch körperliche Aktivität neue Kraft zu tanken.
Es gibt Übungsprogramme, die speziell auf die Anforderungen und Bedürfnisse von Darmkrebspatienten zugeschnitten sind. Patienten soll dabei nicht nur körperlich, sondern auch seelisch geholfen werden. Körperliche Fitness wirkt sich nicht nur positiv auf die Therapie aus. Die Patienten kommen dabei auch wieder auf andere Gedanken und können seelische Probleme wie Depressionen und Angst leichter bewältigen.